Arbeit mit dem Problem statt gegen das Problem
Angebot
Migration - Karwan-Haus der Caritas Wien (W)
Teilnehmer
Bettina Steinbrugger
Erfahrungen

Im "Normalberuf" ist Bettina Steinbrugger Projektleiterin des TRIGOS einer Auszeichnung für sozial und ökologisch vorbidliche Unternehmensprojekte*. Im Juli 2008 war sie für eine Woche lang Teammitglied und Lernende bei Monika Jóo im Karwan-Haus

"Als ich im Karwan-Haus ankam, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Verzweifelte, aggressive Menschen, die aufgrund ihrer aussichtslosen Situation bereits resigniert haben? Überforderte BetreuerInnen? Nichts von alledem. Stattdessen freundliche und offene Menschen, denen man zwar die Last der jahrelangen Ungewissheit (`darf ich bleiben oder nicht?´) anmerkt, die aber trotz allem versuchen, das beste aus ihrer Situation zu machen.

Auf der anderen Seite die MitarbeiterInnen der Caritas, die eine höchst professionelle Arbeitsweise an den Tag legen, von der sich so manches Unternehmen im Sinne der Kundenorientierung einiges abschauen könnte. Bei ihrer tagtäglichen Arbeit steht allein der Mensch im Mittelpunkt. Besonders fasziniert hat mich der höchst pragmatische Zugang der BetreuerInnnen und deren Art mit Problemen umzugehen. Während die Wirtschaftswelt stark problemlösungsorientiert arbeitet, ist der Zugang der im Sozialbereich Tätigen ein völlig anderer. Die meisten Probleme der im Karwan-Haus lebenden AsylwerberInnen sind nicht lösbar. Deshalb besteht die Hauptaufgabe der BetreuerInnen in erster Linie darin, den Alltag dieser Menschen so angenehm wie möglich zu gestalten und ihr Leid so gut es geht zu lindern. Ohne Arbeitserlaubnis zum Nichtstun verdammt, laufen AsylwerberInnen während der oft jahrelangen Wartezeit auf ihren Asylbescheid Gefahr, psychisch zu erkranken oder in Lethargie zu verfallen. Umso wertvoller erscheint unter diesem Aspekt die Arbeit der MitarbeiterInnen der Caritas, die verschiedenste Beschäftigungsprogramme entwickelt haben, um den Menschen in dieser schwierigen Zeit zu helfen, nicht ihre Selbstachtung und ihre Fähigkeiten zu verlieren.

Diese Woche des Brückenschlags zwischen zwei Welten hat mir ganz neue Perspektiven eröffnet und die Komplexität des Asylbereichs sowie der bestehenden rechtlichen und sozialen Probleme vor Augen geführt. Die Tage im Karwan-Haus haben mir gezeigt, dass nur der direkte Kontakt zum Abbau von Berührungsängsten und Vorurteilen führen kann und dass Unwissenheit und Unverständis über die tatsächliche Situation dieser Menschen die Spaltung der Gesellschaft herbeiführt. Ich kann jedem diesen Sprung auf die "andere Seite" (und auch über seinen eigenen Schatten) nur wärmstens empfehlen!"

Das Karwan-Haus bietet regelmäßig Führugen und Informationsveranstaltungen sowie interreligiöse Gebete und kulturelle Begegnungen an. Nutzen Sie diese Gelegenheit des Kennenlernens! Ein möglicher Zugang für Unternehmen zum Asylbereich besteht im Angebot eines unbezahlten Volontariats für AsylwerberInnen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an karwan@caritas-wien.at.

*www.trigos.at

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